Literatur:Geistliche Lyrik Sammlung - Greiffenberg 1660

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Geistliche Lyrik ·
Eine Sammlung
Catharina Regina von Greiffenberg · ka 1660 · Verlag: ka · Ed 1

Reihe: eLib.at · ,
ISBN/ISBN13:/ · ISSN:
Sprache: Deutsch · (v1.00, Volltext)
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Greiffenberg, Catharina Regina von: Geistliche Lyrik Eine Sammlung (ka 1660). In: eLib.at (Hrg.), 10. Dezember 2019. URL: http://elib.at/
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Sammlung geistlicher Lyrik

Greiffenberg_Catharina_Regina_von_1633-1694


Ach druecke dich in mich / du Himmel-festes Siegel

Ach druecke dich in mich / du Himmel-festes Siegel /
Versigle meinen Sinn / versigle Hertz mit Hertz /
Versigle Mund mit Mund fest / ueber alle Siegel /
Dein Leibes-Petschafft halt in aller Noth und Schmertz.
Die tieff-begrabnen Ritz / in mir sich hoch erheben /
Die ausgeholten Stich / sich sondern recht in mir /
Die hohen Gnaden sich in tieffsten Danck begeben /
Es werd mein gantzes Ich ein rechtes Bild von dir /
Mein Leib von deinem Leib / Gestalt und Bildung mehre /
Mein Sinn / von deinem Sinn / sich formen lasse hier /
Mein Wille gantz und gar nach deinem sich beqveme /
Ein jedes Aederlein sich fueg in deine Gier.
Das uebrig wisch man weg / wie braeuchig in dem Giessen /
Nur was in dir ist bleib' / und heisse mein in mir /
Ich will von keiner Lust / von keinem Willen wissen /
Als nur der deinem gleich / und der von dir herruehr' /
Ach! mach mich durch dein Blut zur sigilirten Erden!
Dass eher ich zerbrech' als aufhoer sie zu seyn.
Lass' eher mich mein GOtt zu Staub und Aschen werden /
Als leben sonder dich / dein Bildnus praegen ein /
Dass du in mich gedrueckt. Mein Hertz das Capsel breche /
Bleibt nur dein Siegel gantz / dein lieber Leib und Blut.
Der Tod durch tausend Pfeil / das Leben mir absteche /
Wann meinem Siegel nur im Hertzen er nichts thut /
Dem Leben / das du bist / kan er ja nichts angwinnen /
Auch mir nicht / weil mit dir ich bin ein einigs Ein /
Es mag die gantze Erd der Himmel auch verbrinnen /
Ich bin in GOtt / und GOtt wird bleiben gantz allein.


Am H. Neuen Jahrs-Tag / auf den Hoechsttroestlichsten Namen Jesus

JEsus sey nur du mein Trost / sonst mags wie es will ergehen.
Hab ich dich / so hab' ich alles / du mein liebster JEsu Christ!
meines Lebens Krafft und Staerke / ja mein Leben selbst du bist.
lass mich / JEsus / dieses Jahr / wol in deinen Gnaden stehen.
Lass dein grossen Sternen Raht maechtig in der That mich sehen.
deiner Gnad' und unserm Glauben / keine Sach unmueglich ist.
vor dir ist / wie Spinnenweben / aller Menschen Macht und List.
Sprich nur ueber meinen Wunsch / dein Krafftwort: Es soll geschehen!
Meine Hoffnung hat gebluehet etlich Jahr: gieb / dass sie heur
Glueck und Freuden Fruechte bring. Ach was kan ich mehr verlangen.
hab' ich doch die koestlichst schon / dein liebheisses Blut / entfangen!
ist auch was auf dieser Erden / das so koestlich / suess und theur?
JEsulein / es bleib dabey! lass mich nur in Gnaden stehen:
Sonst mag alles / wie es will / in der ganzen Welt ergehen.


An die unvergleichlich-Gluecklichen Bethlehems-Hirten

GLueckliche Hirten! ich wolt nit verlangen /
Koenig' und Fuerste stat euer zu seyn?
Tausendmal lieblicher fuenkert der schein /
welcher von Engeln auf euch ist gegangen /
schoener / als Kronen / da Koenig mit prangen.
Herrlich verkuendigt die Himmels-Gemein /
singen das Freuden-Lied klaerlich und rein /
was ihr vor einen Christ-Helden empfangen.
Die Engel sind froh /
verlassen den Himmel /
und nehmen die Cimbel /
sie gehen zum Stroh.
Verlasset die Herden / seht Wunder mit Freuden:
hinfuero wird GOttes Lamm selber euch weiden.


Auch ueber die Thraenen

ERleuterung der Angst / des Herzens Ringerung /
der schmerzen Wolkenbruch / der Trauer-Augen Regen /
ihr Thraenen! die ihr seyd / wann sich die Winde legen /
die Seufzer / da das Herz vor Aengsten schier zersprung!
Ihr seyd recht zwischen Furcht und Trost die daemmerung.
Mit sorgen seet man euch diesen Vngluecks wegen:
doch bringt ihr manches mal dess reichen Glueckes Segen /
aus ursach / weil eur Fluss die Himmels Faest durchdrung.
Dess Himmel-Regens Zweck / ist fruchtbarkeit der Erden /
da dann der fruechte Frucht GOtt wider geben werden /
Lob' / Ehre / Preiss und dank / mit worten und gebaerden.
Die Thraenen / dienen auch / zu wahrer Tugend Zucht /
erweichen Gottes Herz und bringen freuden Frucht.
Durch sie / nimt aus dem Sinn die kummernus die Flucht.


Auf Christus Allerheiligstes erstes Blut-vergiessen

Auf Christus Allerheiligstes erstes Blut-vergiessen / und Seelsuessesten JEsus-Nahmen
DIe schoene Morgenroet liess Purpur-Perlen fallen /
die Kindheit: bald darauf die Jesus-Sonne scheint /
in welcher Gottheits Glanz und Liebes-Hitz vereint.
All' Herzens-Gnadenschaetz aus diesem Heil-Liecht strahlen.
Das Loesungs-Ader-Gold muss Lieb-zerschmelzet wallen.
Das Wunder-guetig Kind vor gier und sehnen weint:
es komme nimmermehr die Heiles-Stund / es meynt /
die Segen-Flut sein Blut zu giessen aus mit allen.
Die Ewig GOttheit sich in Kindes-Woelklein huellt.
Gleich wie uns dunkt die Sonn' in eine Hand zufassen /
von wegen grosser Weit: so Er / als GOtt / erfuellt
das ganze All / und will sich gleichwol tragen lassen.
Es hat die selbste Ruh nit Ruhe / bis sie stillt
der Menschen Vngluecks-Lauff / ihr Gier / und Gottes hassen.


Auf Christus Wunder-Geburt

WIe? hat die Allheit sich in dieses nichts begeben!
die Vnaussprechlichkeit so alles sprichet aus /
macht die die Schwachheit dann zu ihrer Allmacht Haus?
will den Fussschaemel sie zum Ehren-Thron erheben?
der Vnbegreiffliche / will auf den Haenden schweben.
Der Erd' und Himmel regt mit seines Donners Brauss /
was mehr! das Meer verfelst mit seines Athems Sauss /
denkt in dem keuschen Glas / der Jungfrau Leib / zu leben.
Dess Wort-und Weissheit-Krafft das ganze Seyn gebohren /
laest aus dem Staub der Zeit selb selbst gebaehren sich.
GOtt wird ein Mensch / auf dass der Mensch sey unverlohren.
Sein Elends-Abgrund Stand / ehrt Himmel-hebend dich.
Lass allen Hoffarts Pracht! weil Demut ihm erkohren
der Hoechste / folgt / sie sey die Hochheit wesentlich.


Auf das verwirrte widerwaertige aussehen

MEin GOtt du bist getreu / wie seltsam es auch scheinet.
Wann alles knackt und kracht / wann Blut und muht erliegt /
wann selbst das Herz entherzt kein safft noch Krafft mehr kriegt;
wann alles man verhaust und aus zu seyn vermeinet;
ja wann uns auch gedunkt der Himmel ganz versteinet /
dass weder flehn noch bitt ihm etwas mehr ansiegt /
hingegen alles sich uns zu betrueben fuegt /
und sich mit ganzer macht zu unsern Creutz vereinet:
so ist bereit die zeit der gnaden-labung hie /
die kan so wunderbald das Leid in Freud verwandlen /
die pflegt so lieblich suess die schmerzen zu behandlen
das man nicht wuenschen soll / das sie gewesen nie.
Da siht man / dass GOtt / nur recht zu erfreuen / kraenket.
sein Liebessinn auf nichts / als unsre wolfart denket.


Auf den Geistlichen-Wortes-Donner

Auf den Geistlichen-Wortes-Donner:
im groesten Donnerwetter / im Garten
DV starker Donner-GOtt! gib deinem Donner-Kraft /
dem Herz durchdringungs-Wort; dass man die Geistes-Blitze
darauf erblick' / und fuehl' auch die Einschlagungs Hitze /
dass allen Herzen-Stolz es strack danider rafft!
das Donner-prastlen hat Bekehrungs-Eigenschafft /
weil GOttes Gegenwart im Schrecken hat den Sitze.
Es ist voll Fruchtbarkeit diss schroecklich Lufft geschuetze:
So ist sein Eyfer auch mit Gnaden-Krafft behafft.
Der Wunder-Strahl / sein Wort / verletzt der Seelen klingen /
dem Leib die scheiden nicht; das stark' ist nur sein Ziel.
Sein Geist-Subtiligkeit kan unvermerkt durchdringen.
Zu zeiten durch den Schall zu faellen ihm gefiel.
Behuet uns nur / O GOtt / vor Wolken Donnerschlaegen:
Durch deine Wortstreich wollst bekehrend uns erlegen!


Auf den / GOtt Lob! vergehenden Winter

DEr Winter ist schon todt / und allbereit begraben.
Der Himmel gab' ihm noch / zum Vbertau / den Schnee /
den nahm' er in die Erd. Sein Grab-Schrifft heist: vergeh!
sein Glueck ist / dass ihn nicht verzehren Schab- noch Raben.
Sein Grabstein von Krystall / ist noch ein weil erhaben.
Doch / dass der Boesen ihr Gedaechtnus nicht besteh /
will Warheit / dass man hier ein klares Beyspiel seh;
Daher verzehrt die Sonn / den Stein und die Buchstaben.
Die Erde klagt ihn zwar / in Dunkelbrauner Farb;
Doch wird sie wider bald zur Fruelings-Hochzeit schreiten.
gar billich ists / dass der Verderber selbst verdarb.
Man wird ihm kuerzlich aus mit Donner-Glocken leuten.
Mein und der gantzen Erd' Erz-Aergster Feind! wolt GOtt /
dass du hinfuer muest seyn / auf Ewig Ewig todt!


Auf den Heiligen Geist

Du Farben-Spiegel-Blick, du wunderbares Glaenzen!
Du schimmerst hin und her, bist unbegreiflich klar;
Des Geistes Taubenflueg in Wahrheits Sonne glaenzen.
Der gottbewegte Teich ist auch getruebet klar!
Er will erst gegen ihn die Geistes Sonn beglaenzen
Den Mond; dann dreht er sich, wird Erden ab auch klar.


Auf desselben Mensch-werdige Wunder-That

DIe Suessheit selbst an Bruesten seuget.
Die Weissheit wird ein kleines Kind.
Die Allmacht man mit Windeln bindt.
GOtt hier sein Herz leibhafftig zeiget /
ja solches gar zu uns herneiget.
das Himmelreich im Stall sich findt.
hie dient das Engel-Hofgesind.
diss alles uns zu Trost erzweiget.
Die Keuschheit einen Sohn gebahr /
der doch schon vor den Sternen war.
was Er nicht war / das ist er worden:
und was Er war / das blieb er noch:
dass Er in diesem neuen Orden /
von uns wegnaehm das Suenden Joch.


Auf die Froelich- und Herrliche Auferstehung Christi.

ENgel! blaset die Trompeten! Seraphinen / singt und klingt /
Jubil-Jubil-Jubiliret / hoch-erfreuter Himmel-Chor!
Sonn' und Sterne / glaenzt und danzet eurem Triumphirer vor!
Berg' und Huegel / Fels und Thuerne / auch in frohen Jauchzen springt!
ihr fuer alls beglueckte Menschen / weil es euch zu Heil gelingt /
Lobet / Preiset / Ehret / Danket / und erhebet hoch empor
den / der sich und euch erhebet aus des Todts ins Himmels Chor.
Dann die Paradeisisch' Vnschuld / sein' Erstehung / euch mitbringt.
Solte wol die Suenden-Macht dessen Allmacht ueberstreben /
der die selbst Vnendlichkeit? nein sie muss sich ganz ergeben:
sein verdienstes-Meer kan loeschen / nicht nur Fuenklein / ganze Feur.
Ach der lang verlangt' Erloeser toedtet alle ungeheur.
Was will Welt / Tod! Teuffel / Hoell / einem Christen abgewinnen?
die sind ganz verstoert / verheert: Dieser herrscht im Himmel drinnen.


Auf Hoechst-erwehnten Wunder-Tag.

O nie-gesehne Sach! ein Jungfrau-Mutter wieget /
denselben / der doch selbst die Haubtbewegung ist.
Er hat zur lieg statt ihm ein spannbreit Ort erkiest.
Der / so die Erd' umspannt / ietzt in der Krippen lieget.
Er laesst den Himmels-Saal / und sich in Stall herfueget.
Ach mein Herz! dass du nicht stat seiner Windeln bist /
und Lieb-verbindlichst stark umfaengest deinen Christ!
Ach dass ich ihn ein mal in meine Arme krieget'!
Ach Ochs und Esel / weicht und lasst mir euren Platz!
dass ich bedienen kan den kleinen Tausend Schatz.
Was unrecht! dieser / der die Federn selbst erschaffen
muss auf dem harten Stroh ohn alle Federn schlaffen.
mein Herz ist feder-voll / fliegt dir mein Heiland zu:
Ach wuerdig' es so hoch / und in demselben ruh!


Auf meinen bestuermeten Lebens-Lauff

Wie sehr der Wirbelstrom so vieler Angst und plagen
mich draehet um und um / so bistu doch mein Hort /
mein mittel punct / in dem mein Zirkel fort und fort
mein Geist halb hafften bleibt vom sturm unausgeschlagen.
Mein Zuenglein stehet staet / von Wellen fort getragen /
auf meinen Stern gericht. Mein Herz und Aug' ist dort /
es wartet schon auf mich am Ruhe-vollen Port:
dieweil muss ich mich keck in weh und See hinwagen.
offt will der Muht / der Mast / zu tausend truemmern springen.
Bald thun die Ruder-Knecht / die sinnen / keinen Zug.
Bald kan ich keinen Wind in glaubens-Segel bringen.
jetz hab ich / meine Uhr zu richten / keinen fug.
Dann wollen mich die Wind auf andre zufahrt dringen,
bring' an den Hafen mich / mein Gott / es ist genug!


Auf meines Auserwaehlten Jesu verscheiden!

Anbetbars Wunderwerck! will denn das Leben sterben?
verseucht die Lebensquell? verlischt das Ewig Liecht?
hat Saffts und Kraffts Vrsprung / kein Safft und Krafft mehr nicht?
will Ertz-Erhaltungs-Staerck / selbselbsten hie verderben?
das Ewig Leben wir von Christus Sterben erben.
Die aeusserst' Eusserung der Gottheits-Krafft geschicht /
die jetzt im Hoellen-Reich Zerstoerungs-Werk verricht.
Der unsterbliche kan unsterblichkeit erwerben
im Tod; der hat sich mit dem Leben selbst verschlungen.
Aus Jesu End / erfolgt mein Gluecks-Vnendlichkeit.
Es hat die selbste Staerck durch Schwachheit ueberrungen
die staercksten Menschen-Feind. Der / so des Tods befreyt /
wolt sterben / dass dadurch das Sterblich' Ewig lebet.
Die Vrstaend-Geister er der Erd im Grab einwebet.


Auf unsers Heilandes Allmacht-durchstrahlten Wunder-Wandel auf dieser Erden.

Jesu! deine Wunder / wundern und bestuerzen mich so sehr /
das ich / stummer / als der Stumm' / eh du ihm die Sprach gegeben /
steh' im zweiffel / welches ich zu erheben an-soll' heben.
Ja / sie mehren in den Haenden / leitend sie / sich mehr und mehr.
Lauter sonder-Seltenheiten sih' ich / wo ich mich hinkehr:
hoere / was sonst unerhoert / die gestorbenen beleben:
Blinden / das Gesicht und Liecht / Seelen-Sonn und Wonn darneben /
geben / gleicher weiss den Tauben das Gehoer / zu Gottes Ehr.
Krumme / lauffen wie die Reh auf der Allbewegung lenken.
auch der Aussatz laesst den Platz / deine Allmacht macht ihn rein.
Keine Sach' unueberwindlich / soll man / dir zu seyn / gedenken.
Du beherrschest alles / alles muss dir Dienst-gehorsam seyn.
Doch in dem so ueber-Mild du dein Herz uns pflegst zuschenken:
zeigest / dass dir koenne gleichen deine grosse Guet' allein.


Goettlicher Anfangs-Huelffe Erbittung.

Gott / der du allen das / was du selbst nicht hast / gibest!
Du bist des gantz befreyt / was du den andern bist.
mein und der ganzen Welt Vranfang von dir ist /
weil die mittheilend Krafft du uns erschaffend' uebest.
Jn deiner Vorsicht Buch du alles Welt-seyn schriebest.
dein' Überschwenglichkeit mit wolthun war geruest /
dass sie so goettlich-reich uns schenket ieder frist.
ob alles kam aus dir / du alles dannoch bleibest.
Sonst alles / als nur dich selbst nicht / anfahends Ding /
sey mit / in / und bey mir / wann ich das Buch anhebe.
Dein Anfang-Schirmungs-Geist ob diesen Redwerk schwebe /
der gebe dass ich rein von deinen Wundem sing'.
Mein Gott / ich fah izt an / dich ohne End zu preissen:
Lass wol anfahend mich dich unanfaenglich weissen.


Gegen Amor

Der kleine Wüterich mag mit den Pfeilen spielen
und tändeln, wie er will: er gewinnet mir nichts ab,
weil gegen seine Pfeil ein Demant Herz ich hab.
Er machet mich nicht wund, ich darf nit Schmerzen fühlen.
Er mag mit tausend List auf meine Freyheit zielen.
Ihm ich, dem blinden Kind, ein Zucker-Zeltlein gab:
er meint', es waer meinbääääämmmm Herz. O leicht-geteuschter Knab!
Ich will mein Muetlein noch an deiner Einfalt kuehlen.
Schau, wie gefaellt dir das! trotz, spraeng mir diesen Stein
mit deinem goldnen Pfeil. Der Lorbeer soll mich zieren,
nicht deine Dornen-Ros' und Myrten-Straeuchelein.
Du meinst es sey nur Scherz, ich wolle mich vexiren.
Nein! nein! die suesse Ruh soll mir das Liebste seyn,
mein dapfers Herz soll nichts als Ruh und Freyheit spueren.

Gott-lobende Fruelings-Lust

Jauchzet / Baeume / Voegel singet! danzet / Blumen / Felder lacht!
springt / ihr Bruennlein! Baechlein rauscht! spielet ihr gelinden Winde!
walle / Lust-bewegtes Traeid! suesse Fluesse fliest geschwinde!
opffert Lob-Geruch dem Schoepffer / der euch frisch und neu gemacht!
jedes Bluehlein sey ein Schale / drauff Lob-Opffer ihm gebracht /
jedes Graeslein eine Seul / da sein Namens-Ehr man finde.
an die neu-belaubten Aestlein / Gottes Gnaden-Ruhm man binde!
dass / so weit sein Guet sich strecket / werd' auch seiner Ehr gedacht.
Du vor alles / Menschen Volck / seiner Guete Einfluss Ziele!
aller Lieblichkeit Geniesser; Abgrund / wo der Wunderfluss
endet und zu gut verwendet seinen Lieb-vergulten Guss.
Gott mit Hertz / Hand / Sinn und Stimm / lobe / preisse / dicht' und spiele.
Lass / vor Lieb' und Lobes-Gier / Muht und Blut zu Kohlen werden /
lege Lob und Dank darauff: Gott zum suessen Rauch auf Erden.


Ueber mein unaufhoerliches Unglueck

Ach ungerechtes Glueck! hast du denn schon vergessen
dein alte Wankel-Art und steten unbestand /
dass du mich also quaelst mit unermuedter Hand?
ist denn der wechsel aus / der dich so lang besessen?
wilst du mein Herzen Blut durch thraenen aussher pressen.
du loesest nur der freud' / und nicht des Elends / band.
ach leider Ich versink in diesem Jammer strand.
es ist die Ungluecks Flut zu tieff / und nicht zu messen.
Ich siehe keine Huelf und Rettung aus der Noht
vor mir das Meer / die Berg' auf seiten / ruckwerts Feinde.
wann seine wunder-Macht mir nicht erzeigt mein GOtt /
so ists mit mir geschehn; doch / hab' ich den zum Freunde /
es geh' auch wie es woll / so bin ich schon vergnuegt.
Ein dapfers Herz auch wol im groesten Unglueck siegt.


Auf die ruhige Nacht-Zeit

1.
Sternen-bunter Himmels-Thron /
und du Mond der Naechte Kron!
leuchtet / weil den Sonnen-Strahl
uns benimmt der Erden Ball.
2.
Stillheit / der Gedanken Grab!
stelle Sorg' und Graemen ab.
Stille / stille / still' in mir /
alle Herzbewegungs-Gier!
3.
Nun die Musik in der Lufft
schlaefft in holer Baeume Klufft /
ruht und kommet mir nit fuer
in der Gott-Erhebungs Gier.
4.
Suesser Gottes-Gnaden-Safft
der auch schlaffend Glueck verschafft!
fliesse mir in Traeumen ein /
meiner Wolfahrt Schein und Seyn!
5.
Schatten / Freund der Ruhigkeit!
Nacht / du Mueh'-Ergetzungs-Zeit!
ir solt nie so dunkel seyn
dass ihr blendt der Ehren-Schein.
6.
Und du meiner Ruhe Ruh /
Herzen-Herrscher / komm herzu /
sey du selbst mein schlaff-Gemach:
gib / dass ich dir schlaffend wach.
7.
Meine Augen / schliesset euch /
seit an Ruh-Gebaehrung reich!
aber du / mein Geist / betracht /
lobe Gott um Mitternacht!


Kreuzgedicht

                          Seht der koenig koenig haengen!
                        und uns all mitt blutt bespraengen
                         auss der doerner wunden bronnen
                          ist All unsser heyl geronnen
                          seine augen schliest Er sacht!
                           und den Himmel uns aufmacht
            Seht Er Streket Seine Hend auss uns freundlichst Zuentfangen!
            Hatt an sein Liebheisses Herz uns zu drueken bruenst verlangen!
             Ja Er neigt sein liebstes haubt uns begihrlichest zu kuessen
             All Sein Sinn gebaerd und werk seyn zu unser Heyl geflissen!
                           Seiner seitten offen stehen
                          Macht seyn guettig Herze sehen!
                         Wann Wir schauen mitt den Sinnen
                          Sehen Wir uns selbst darinnen!
                          So Viel striemen so Viel Wunden
                          Alss an seinen leib gefunden
                          So Viel Sieg und Segen kwellen
                          Wollt' er unser seel bestellen,
                           Zwischen Himel und der Erden
                          wollt'  Er auf geopfert werden
                          Dass Er gott und uns verglihen
                           uns Zu sterken Er Verblihen
                          Ja sein sterben hatt das Leben
                           Mir und Aller Weltt gegeben!
                       Jesu' Christ dein Tod und schmerzen
                       Leb' und schweb' mir stett im Herzen!


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